Input-Lag bei Monitor und Fernseher erklärt

Der Mausklick erfolgt, aber aus irgendeinem Grund war der gegnerische Spieler trotzdem schneller? Es kann gut sein, dass Ihnen der Input-Lag einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Wie genau das funktioniert, warum es nichts mit Ihren Eingabegeräten zu tun hat und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie jetzt.

 

Wie entsteht Input-Lag eigentlich?

Eine Grafikkarte weiß zunächst nichts von den Einstellungen von einem z.B. 240Hz-Monitor. Sie erzeugt ein Bild aus den Daten, die CPU und RAM ihr zuschaufeln. Sobald das Bild fertig ist, wird es weitergeleitet an den Monitor, damit Sie als Spieler das fertige Bild dann auf Ihrem Bildschirm betrachten können.

Bevor es so weit ist, wird das eingegangene Bild aber vom Monitor in Empfang genommen. Der Monitor bemerkt dann, dass es sich dabei um ein unbearbeitetes Bild im „Rohformat“ handelt – ohne Änderungen an Helligkeit, Kontrast, Farbsättigung, Gamma, einer eventuellen Skalierung und vielleicht einigen internen Verbesserungen, die der Monitor beherrscht. Diese recht komplexen Änderungen können nicht „aus dem Nichts“ entstehen, sondern müssen natürlich vom Monitor vorgenommen werden – und dieser Prozess beansprucht ein wenig Zeit.

Die Diskrepanz zwischen dem Eingang des Bildsignals am Monitor und dem sichtbaren Output, den Sie kurze Zeit später betrachten, führt zu Input-Lag. Wie hoch dieser Input-Lag in der Realität ist, unterscheidet sich stark je nach Monitor beziehungsweise TV-Gerät.

Als Faustregel wird gerne gesagt, dass ein Input-Lag von 30 Millisekunden (bei einer Framerate von 60 fps wären dies ungefähr 2 Frames) nicht sicht- oder spürbar ist. Das ist allerdings eine subjektive Aussage, sodass es durchaus sein kann, dass selbst diese 1 bis 2 Frames für einige Personen nicht hinnehmbar sind.

 

Input-Lag am TV-Gerät: noch schlimmer als am PC

Bei einem Fernseher ist der Input-Lag meist noch wesentlich ausgeprägter. Das ist verständlich, da diese Geräte oft nur für Filme oder Serien genutzt werden. Dort spielt Input-Lag keine Rolle. Konsolenspieler jedoch werden das Dilemma kennen, wenn sie einigermaßen ambitioniert spielen.

Aus diesem Grund bieten einige Geräte in ihrer Software Optionen wie einen Game-Mode an: Damit werden einige der zahlreichen internen Bildverbesserungen von TV-Geräten deaktiviert, um den Input-Lag zu reduzieren. Das klappt recht gut und sorgt gerade bei Spielen mit sehr exakten Eingaben (à la Street Fighter 5) für spürbare Vorteile.

 

Warum stört Input-Lag auch das Spiel?

Man könnte denken, dass es dem Spieler egal sein könnte, wie viel Zeit der Monitor braucht, um sein Bild zu basteln. Das stimmt allerdings in der Realität nicht: Das eigentliche Spiel könnte bereits einige Millisekunden weiter sein als das Bild, das Sie gerade auf dem Monitor sehen – weil es ein wenig gedauert hat, bis der Monitor mit der Bearbeitung des Bildes fertig war.

In konkreten Spielsituationen könnte das folgende Auswirkungen haben:

  • In einem First-Person-Shooter kommt ein gegnerischer Spieler um eine Ecke und schießt auf Sie, während Sie dies noch nicht sehen.
  • In einem Jump’n’Run laufen Sie auf eine Kante zu und wollen springen, während Sie eigentlich schon in den Abgrund fallen.
  • In einem Spiel à la Mortal Kombat möchten Sie einen Angriff des Gegners blocken, aber kommen nicht dazu – denn in der „Realität“ ist der Angriff schon erfolgt.

Wenn Sie auf Ihren Monitor schauen, blicken Sie immer einige Millisekunden in die Vergangenheit. Das eigentliche Spielgeschehen, wie es von den diversen Komponenten in Ihrem PC berechnet wird und dann im Arbeitsspeicher liegt, ist immer ein wenig voraus. Mit einem Monitor mit niedrigem Input-Lag stellen Sie sicher, dass der Unterschied zwischen diesen beiden Welten so klein wie möglich ist.

Zwar wird ein durchschnittlicher Spieler, der nur hin und wieder einige Runden am Wochenende spielt, davon wahrscheinlich nicht viel merken. Sobald Sie die Sache jedoch etwas ambitionierter angehen und das Ziel haben, sich zu verbessern, werden Sie irgendwann an einen Punkt kommen, wo Hard- und Software eine Hürde darstellen – und dann sollten Sie handeln.

 

Reduktion von Input-Lag: Welche Optionen habe ich?

Einige typische Tipps fallen wie folgt aus:

  • In den Optionen des Monitors sollten Funktionen wie High Dynamic Range (HDR) und andere Bildverbesserungen ausgeschaltet sein.
  • Nach Möglichkeit sollte ein Monitor mit einer Bildwiederholfrequenz von mehr als 60 Hz zum Einsatz kommen – viel hilft viel!
  • In Online-Shootern sollten Sie möglichst niedrige Grafikeinstellungen wählen, um maximale fps zu erreichen.
  • Vertikale Synchronisation (V-Sync) ist ebenfalls Gift für schnelle Reaktionen auf dem Monitor.

Darüber hinaus haben Sie selbst softwareseitig leider keine weiteren Möglichkeiten, den Input-Lag zu senken. Reicht das noch immer nicht, sollten Sie in spezielle Gaming-Monitore investieren.

Die sind zwar selten günstig, aber sie bieten Features (entweder durch eine externe Software oder direkt im OSD des Monitors), um die Latenz weiter zu verringern. Wie diese Funktionen genau heißen, unterscheidet sich je nach Hersteller. Geopfert wird in jedem Fall die bestmögliche Bildqualität, um am Ende Reaktionszeiten von weniger als 10 Millisekunden umzusetzen (was praktisch nicht mehr seh- oder spürbar ist).

Zum Vergleich: Einige TV-Geräte sprengen gar die Grenze von 100 Millisekunden – und das ist dann wirklich nicht mehr hinnehmbar.

 

 

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